Naturpädagogik

Weshalb regelmässige Aufenthalte in der Natur Sinn machen
Grundgedanken zur Naturpädagogik

 

Beziehung zur Natur - nachhaltige Lebensweise - seelisch-geistige Entwicklung

Zentrales Merkmal der Naturpädagogik ist ganzheitliches Erleben und praktisches Tun direkt in der Natur, ergänzt mit Kenntnissen über ihr Funktionieren. Was also Pestalozzi postulierte, gilt ganz speziell auch für die Naturpädagogik: Lernen mit Kopf, Herz und Hand.

Hauptziel der Naturpädagogik ist es, eine verbesserte Beziehung zwischen Mensch und Natur zu ermöglichen, sie zu vertiefen und einen Gegenpol zur Einseitigkeit des Lebens in unserer hoch technisierten Welt zu setzen.

In der heutigen Naturpädagogik ist die Erarbeitung sozialer Kompetenzen ebenso wichtig wie der Aufbau der Beziehung zur Natur. Denn so wie wir uns gegenseitig behandeln oder behandelt werden, so gehen wir mit der Natur um.

Erst durch die Begegnung und das Erleben in der Natur kann eine Beziehung entstehen. Eine Bindung zur Natur ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Lebensweise. Das Kind entwickelt eine emotionale Beziehung (sinnliche Erfahrung, positives Grundgefühl, positive Erlebnisse und Erfahrungen), was später kognitiv weiterentwickelt und verarbeitet werden kann (Sorge tragen).

Regelmässige Naturerfahrungen sind lebensnotwendig für Kinder wie auch Erwachsene.

Achtung für die Natur bringt Achtung vor einem selbst und anderen. Eine gute Beziehung nimmt uns die Angst vor dem Unbekannten. Natur ist ein unstrukturierter Ort, der uns hilft, bei uns selber anzukommen. Durch ein regelmässiges Begehen der Natur werden Zusammenhänge verstanden, Bedürfnisse anderer Lebewesen gelernt und respektiert.

Der Mensch wird wieder in den natürlichen Kontext, mit dem Lebendigen in Kontakt gebracht (Rhythmus der Jahreszeiten, Wieder-Verbindung mit der Natur, Einfachheit, Demut).

Die Natur kann uns Lebenssinn geben. In der Natur entfällt die Einteilung «richtig» oder «falsch». Es sind Erkenntnisse möglich, die viele Sinne ansprechen, das erleben wir als «sinnvoll» es gibt uns Bestätigung.

GESUNDHEIT

Der Aufenthalt in der Natur beeinflusst unsere Gesundheit positiv.

  •        Stärkung des Immunsystems
  •        Stärkung des Herz-Kreislaufsystems durch Bewegung in der Natur
  •        Widerstandsfähigkeit wird trainiert (Allergien, Bakterien)
  •        Stärkung des Wärmeregulationssystems durch den Aufenthalt in der Natur bei jeder Witterung
  •        Aufnahme von Vitamin D
  •        Grösseres Blickfeld, da keine Einschränkung durch Wände = Stärkungen der Augen
  •        Positiven Einfluss auf die Gehirntätigkeit durch Bewegung in der Natur
  •        Stressreduktion (weniger Aggressionen, Ängste, Depressionen)

Die Natur bringt Kopf, Hand und Herz ins Gleichgewicht.

Definition der Gesundheit laut Gesundheitspsychologie und -förderung: Gleichgewicht zwischen psychischer, physischer und sozialer Gesundheit.

Die Natur hat demnach auch eine therapeutische Funktion.

ENTWICKLUNG

Im Wald wird das Lernen nachhaltig greifbar. Das Gelernte wird vernetzt und be-griffen. Real Erlebtes kann man sich merken (4 Jahreszeiten, Regen, Schnee, Sonne, Wind).

Stimulation der 5 Sinne, ohne Reizüberflutung:

  •        Riechen        Jahreszeiten, Pflanzen, Tiere, Feuer…
  •        Sehen          Farbtöne, Tiere, Blumen, Veränderungen in der Natur…
  •        Tasten         Rinden, Modellieren mit Lehm, Waldboden…
  •        Schmecken   Wildpflanzen vom Feuer, Nüsse, Wasser…
  •        Hören          Vögel, Rauschen der Blätter, Stille

Aufmerksamkeit und Orientierung werden geschult. Durch Be-greifen können Prozesse verinnerlicht werden.

Die Natur weckt Interesse und lässt uns Fragen stellen, sie motiviert uns zum Lernen und zum Kommunizieren, zum Finden von Lösungen und Antworten.

In der Natur finden wir ein besseres Lernklima; prozessorientiert nicht produktorientiert, handlungsorientiert, Theorie wird direkt mit erfahrbarer Praxis verknüpft.

FÖRDERUNG DER…

Motorik
Die motorische Betätigung in der Natur ist ganzheitlich, echt und komplex. Die Motorik (Fein-, Grobmotorik) wird spielerisch, unbewusst geschult.

Sprache
Die motorische- und sprachliche Entwicklung hängen, vor allem bei kleineren Kindern, zusammen.

Kreativität
Das unstrukturierte Naturmaterial fördert die Kreativität. 

Motivation/Selbständigkeit/Selbstbewusstsein
natürliche Hindernisse und Grenzen fördern die Selbstmotivation, Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein

Ruhe/Ausgeglichenheit
Mehr Raum und weniger Lärm vereinfacht die innere Ruhe zu finden. Waldluft und Waldgeräusche wirken beruhigend.

Konzentration/Aufmerksamkeit             
Es besteht mehr Raum für Tätigkeiten, womit der Fokus auf das aktuelle Tun besser gehalten werden kann. Natur lebt und bewegt sich und ist spannend, durch genaues Beobachten wird die Konzentration und Aufmerksamkeit geschult.

…und unter anderem auch…

Mathematik
Mathematik-Themen werden in der Realität erlebt, haben Alltagsbezug. Beim Kochen; Masseinheiten erleben. Zählen; 2 Zapfen pro Tier usw., geometrische Formen legen und in der Natur finden.

Physik
Steilheit des Geländes (Waldkugelbahn), Oberflächenbeschaffenheiten von verschiedenem Naturmaterial.


«Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst»

                                                                                           Bernhard von Clairvaux, 1090-1153, Abt und Theologe

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